Dienstag, 23.04.2019

Zahnärztliche Patientenberatung verbessern - Behandlungsfehler im Promillebereich

01.07.2013 12:20

Pressemeldung der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN) vom 01.07.2013:

Beratungen zur Zahngesundheit werden sehr stark in Anspruch genommen, weil es - im Gegensatz zur Allgemeinmedizin - vor allem im zahnprothetischen Bereich bei demselben Befund in den meisten Fällen verschiedene Therapiealternativen gibt, zwischen denen der Patient wählen kann. Durch die Vielzahl von Möglichkeiten, die sich oft im Komfort und in der Ästhetik unterscheiden, ergeben sich zum Teil nicht unerhebliche Eigenleistungen, über die der Patient vor Behandlungsbeginn unbedingt in einem Beratungs- und Informationsgespräch durch seinen Zahnarzt aufzuklären ist. Dabei müssen die Alternativen und ihre Kosten zur Sprache kommen, damit der Patient die freie Wahl zwischen einer ausreichenden und zweckmäßigen Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nach den Regeln des Festzuschusssystems und denjenigen Leistungen erhält, die diesen Rahmen überschreiten. "Diese Sicherheit durch das Festzuschusssystem und die gleichzeitige Wahlmöglichkeit einer Versorgung, die individuellen Ansprüchen einer nach oben fast offenen Skala genügt, zeichnet unser deutsches Gesundheitssystem gegenüber anderen aus", stellt Dr. Jobst.-W. Carl als Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN) dazu fest.

"Gleichzeitig begründet die Komplexität mancher Lösung auch einen hohen Beratungsbedarf  und eine scheinbar hohe Anzahl an Hinweisen auf Problemlagen offenbart hier weiteren Handlungsbedarf im Interesse der Patienten ", fügte Carl hinzu, der selbst den Vorsitz der "Arbeitsgemeinschaft Patientenberatung" der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) hat. Sie begleitet aktiv die Zusammenarbeit mit der "Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)" im Rahmen eines Koordinierungsabkommens zwischen ihr, der Bundeszahnärztekammer und der UPD. Die Zahnärzte betrachten daher den Bericht zum Beratungsgeschehen der UPD als Anregung und Ergänzung des Engagements der Zahnärzteorganisationen. Das Ziel der Vereinbarung ist der gegenseitige Informationsaustausch und die Verbesserung der jeweiligen Angebote zum Nutzen der Ratsuchenden in der Patientenberatung.

Ein Heil- und Kostenplan, der einer prothetischen Behandlung vorausgehen muss, umfasst eine Übersicht aller voraussichtlichen Kosten und Leistungen - auch der Kosten, die bei einer Regelversorgung anfallen würden. Leider handelt es sich dabei um ein bürokratisches Formular, das für den Patienten nicht leicht zu "lesen" ist. Hier sind die Zahnärzte aufgerufen, den Inhalt mit den Patienten detailliert zu besprechen, um Unklarheiten, Missverständnisse und spätere Beschwerden über mangelnde Beratung zu vermeiden.

So müssen diese bei einer Bewertung auch immer in Bezug zu der tatsächlichen Behandlungszahl gesehen werden. Dann zeigt sich sehr schnell, dass es um die Beratungsqualität bei zahnärztlichen Behandlungen in Deutschland keineswegs schlecht steht. Für die große Zufriedenheit der Patienten mit der Versorgungsqualität in Deutschland sprechen beispielsweise die Umfragen 2011, bei denen 83 % der Befragten ihre Zufriedenheit mit gut bis sehr gut bezeichnen. In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zur Zufriedenheit mit eingegliedertem Zahnersatz zeigten sich weniger als 2 % der Versicherten mit ihrer Kronen- oder Brückenversorgung "eher unzufrieden" oder "sehr unzufrieden". Auch das "jameda Patientenbarometer" bestätigt aktuell die hohe Patientenzufriedenheit. Zahnärzte belegen vor allen Facharztgruppen den Spitzenplatz.

Beschwerden und Behandlungsfehler im Promillebereich

"Die Vertragszahnärzte in Deutschland behandeln jedes Jahr rund 60 Mio. Patienten - das entspricht etwa 200 Mio. Patientenkontakten. Wenn man die dokumentierten Beschwerden dazu ins Verhältnis setzt, dann bewegt man sich im Promillebereich", und damit könnten wir Zahnärzte eigentlich ganz zufrieden sein", stellte Dr. Carl fest und betonte zugleich: "Trotzdem werden wir die Bemühungen um eine noch bessere Beratungsqualität in Zusammenarbeit mit der UPD fortsetzen". Die zahnärztlichen Körperschaften bieten darüber hinaus Beratungsstellen und auch die Möglichkeit zur Einholung einer kompetenten Zweitmeinung durch besonders geschulte Zahnärztinnen und Zahnärzte unter www.zahnarzt-zweitmeinung.de bzw. in Niedersachsen durch die Patientenberatung in der Zahnärztekammer unter der kostenfreien Telefonnummer 0800-9990000.

Zurück