Freitag, 20.07.2018

Aufgespießt

Spahn warnt Zahnärzte vor Maßlosigkeit. (1)

27.06.2011 08:27


Wer ist Herr Spahn?
Nach dem Abitur 1999 an der Bischöflichen Canisiusschule in Ahaus absolvierte Spahn eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Westdeutschen Landesbank in Münster, die er 2001 beendete. Danach war er bis 2002 als Bankkaufmann tätig. Seit 2003 studiert Spahn an der Fernuniversität Hagen Politologie und Rechtswissenschaft. Dort hat er im April 2008 den Bachelor of Arts (B.A.) in Politikwissenschaft erworben. Dieses Studium führt er nun mit dem Ziel eines Mastergrades weiter. Spahn ist katholisch und ledig (2).

Woher stammt die gesundheitspolitische Kompetenz?
- Ach ja, wie sagte mal Blühm "...Sachkenntnis macht nur unsicher".

Der Herr Bankkaufmann sollte mal die Daten des Statistischen Bundesamtes studieren (siehe unten (3) und dann nicht mehr mit zweierlei Maß messen. Die Diäten der Abgeordneten haben sich seit 1988 ca. verdoppelt!!! - Was die diversen "Gesundheitsexperten" (z.B. die Herren Lauterbach und Spahn) von sich geben, kann man durchaus als Demagogie bezeichnen, denn es dient in aller erster Linie einer Stimmungsmache gegen berechtigte und mit Fakten unterlegte Realitäten.

Wenn die Damen und Herren Politiker, für die mittlerweile 100 Milliarden € ( = 100 000 Millionen!!!) im "ersten Paket für Griechenland" alltägliche Summen geworden sind, im Gesundheitsbereich den Sozialismus schüren, dann sollten sie nicht vergessen, dass die "Volksgesundheit" in Deutschland viel billiger zu haben ist als diverse Schutzschirme für Banken, Versicherungen, Euroländer, etc. . - Eigentlich sind wir Ärzte und Zahnärzte viel zu billig, wenn man zusätzlich den gesamten Wirtschaftsfaktor Medizin und Zahnmedizin betrachtet, (bezüglich der Arbeitsplätze viel größer als Konzerne wie z.B. Siemens weltweit und dazu noch echte Arbeitsplätze für Menschen und nicht für Roboter (4) der dem Steuersäckel von Herrn Schäuble viel mehr einbringt, als er Kosten auslöst.

Wenn jemand maßlos ist, dann die Politik mit maßlosem Bevormunden der Bürger und deren Eigenverantwortung (vgl. Biedenkopf "Wir haben die Wahl"), maßloser Bürokratie, maßloser Selbstbedienung (vgl. Diätenanhebungen), maßloser Geldverschwendung (vgl. Dokumente des Bundesrechnungshofes, des Bundes der Steuerzahler; es ist ja nicht direkt das eigene), u.v.m.

- Und warum das alles? - Ja klar, um wieder ...... ja, gewählt zu werden. - Denn, „vom sichern Port lässt sich's gemächlich raten" (Schiller) und natürlich auch kritisieren oder gar drohen.

Zu harten Fakten:
Der Verbraucherpreisindex „Gesamt" ist vom Indexwert 76 in 1991 auf den Wert von 107 für 2008 angestiegen (siehe 3).

Das entspricht einem Anstieg von ca. 41% in diesem 17-jährigen Zeitraum. Rechnet man linear auf die 23 Jahre von 1988 bis 2011 um, so kommt man für diese Zeitspanne auf einen Anstieg von sogar ca. 65%. Berücksichtigt man nun, dass die GOZ 1988 kostenneutral aus der BuGO 1965 entwickelt wurde, dann ergibt sich bei linearer Anwendung (Entwicklung 1988-2011; 23 Jahre) auf den gesamten Zeitraum von 1965 bis 2011 (46 Jahre) ein Anstieg von ca. 130%.

Man findet folgende Vergleiche:
Verbraucherpreisindex 1988 -2011/23 Jahre (lineare Umrechnung aus 1991-2008/17 Jahre)
Anstieg Gesamt: ca. 65%
Anstieg speziell: Nahrungsmittel um rund 32%;
                          Bekleidung um rund 15%;
                          Wohnen um rund 91%;
                          Verkehr um rund 89%;
                          Bildung um rund 203%;
                          Gastronomie um rund 53%.

Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen (Zahlen des Statistischen Bundesamtes, s.o.) müsste eine fiktive zahnärztliche Dienstleistung, 1988 mit dem sog. 2.3-fach Satz zu 100,-- € berechnet, 2011 zumindest* eine Steigerung von ca. 65% erfahren und also (entweder aufgrund eines erhöhten Punktwertes, oder aber über massiv angehobenen Steigerungssatz) mit ca. € 165,-- berechnet werden.

Bezieht man in die Wirtschaftlichkeitsberechnung mit ein, dass bereits die Anpassung von der alten BuGO an die GOZ 88 nur kostenneutral erfolgte, so müsste sogar für 46 Jahre ohne Anpassung eine Steigerung um ca. 130%. erfolgen. D.h. diese Dienstleistung müsste sogar mit € 230,-- in Rechnung gestellt werden.

* Bekannterweise unterliegen die Kostensteigerungen im Rahmen der Betriebsführung von Zahnarztpraxen, aufgrund der spezifischen Anforderungen an Geräte, den Stand der Wissenschaft, etc. , wesentlich höheren Steigerungenraten als es der Verbraucherpreisindex für den Durchschnitt ermittelt.

In der GKV sind zahnärztliche Behandlungsmaßnahmen mittlerweile in weiten Bereichen , aufgrund von Anpassungsmechanismen (Verknüpfung mit der Grundlohnsummensteigerung) besser vergütet als vergleichsweise gemäß GOZ/GOÄ (vgl. z.b. bayerische Tabelle der BLZK). Wobei es aber festzustellen gilt, dass diese GKV Honorare zumeist keineswegs betriebswirtschaftlich den Zeit- und Praxisaufwand decken, wenn gemäß dem Stand der Wissenschaft gearbeitet werden soll (sogar durch Qualitätsmanagement abgesichert, was ja jedermann und insbesondere die Politiker, nicht müde werden zu fordern). Außerdem unterliegen sie einer Budgetierung. Der Ansturm auf die Zusatzversicherungen ist Beleg für die Mängel des GKV-Systems, bzw. für die wichtige Tatsache, dass in einem sozialen, solidarischen System eigentlich nur eine „Grundversorgung" finanziert werden kann. Die Fakten, die wissenschaftlichen und gesundheitsökonomischen Belege hierfür, gehen in die Hunderte und sollten eigentlich von „Experten" wie u.a. Herrn Spahn endlich verinnerlicht werden.

Übrigens hinken die Honorierungen gemäß GOZ/GOÄ im europäischen Vergleich deutlich hinterher.

Also Herr Spahn, bitte nicht immer wieder drohen, sondern sachlich und fair die Fakten analysieren. Ansonsten sollte gelten, „ .... worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" (Wittgenstein).

Dr. Wolfgang Heidenreich, Georgensgmünd

-------------------------------------------------
Legende:
(1) Focus über Herrn Spahn vom 21.06.2011
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Spahn
(3) Wikipedia: Statistisches Bundesamt Verbraucherpreisindex 1991-2008
(4) Zahnärzte als Arbeitgeber, Zahnarztpraxen als Wirtschaftsfaktor

 

Zurück