Mittwoch, 21.11.2018

Aufgespießt

Nun mal halblang!

02.04.2012 23:10

FDP auf Flughöhe Null

 

Vermutlich wird kaum ein Arzt oder Zahnarzt die Freie Demokratische Partei in den nächsten Wahlgängen mit seiner Stimme bedenken. Zu gegenwärtig ist die als Umfallerpartei gescholtene FDP, die neben ihren drei Punkten nun auch die letzten Wähler zu verlieren scheint; zu gegenwärtig die im Koalitionsvertrag um des eigenen Machterhaltes Willen gebrochenen Versprechen, und zu präsent die Ungerechtigkeiten um die neue Gebührenordnung für Zahnärzte.

Das alles reicht aber nicht aus, um den liberalen Gedanken, den die FDP nun einmal vertritt, mit über Bord zu kippen. Aktuell kann einem diese Partei fast Leid tun, wenn man jetzt Zeuge einer wilden Hatz wird, zu der Presse und Politik gemeinsam blasen. Ob es bereits das „Halali" ist, wird sich nach den nächsten Landtagswahlen zeigen, in denen die Herren Lindner und Kubicki gar nicht einmal schlechte Karten haben.

Schon Rainer Brüderle hat es zu Recht vor fast zwei Jahren unterlassen, General Motors durch Steuergelder zu alimentieren. Jetzt ist es nur konsequent und richtig, dass der derzeit vielgescholtene Wirtschaftsminister Rösler die bundesweit 11.000 Mitarbeiter der Firma Schlecker nicht durch Staatsknete in Transfergesellschaften subventionieren will. Schließlich gibt es ebenso Tausende von Mitarbeitern mittelständischer Unternehmen in der Republik, über deren Wohlergehen sich niemand den Kopf so laut und öffentlich zerbricht. Hätten es nicht auch die 1.300 Mitarbeiter von Q-Cells verdient, vor Arbeitslosigkeit bewahrt zu werden?

Hier steht die Partei ohne die drei Punkte fest zu ihrem liberalen Gedanken, und dafür gebührt ihr Respekt - zumindest solange, bis sie wieder umfällt. Wenn nun die Herren Seehofer, Beck und Söder, allesamt in Sachen eigener Popularität unterwegs, ihren gespielten Zorn und ihr tränenersticktes Mitleid mit Schlecker-Mitarbeitern öffentlich heucheln, um gleichzeitig auf dem scheinbar am Boden liegenden politischen Mitbewerber FDP herumzutrampeln, dann ist das einmal mehr ein Beweis für die moralische Kachexie der Politiktreibenden. Dabei wird so getan, als ob es einer kaltherzigen FDP geradezu ein Lustgewinn wäre, die Schlecker-Mitarbeiter auf der Straße zu sehen. So zitiert Spiegel-online am 29. März: „Horst Seehofer ringt sichtlich um Fassung, 'Unglaublich, unglaublich´", während sein Finanzminister Söder den Liberalen vorwirft, „aus politischen, statt fachlich nachprüfbaren Gründen eine Einigung blockiert" zu haben. Die zu Fleisch gewordene Sprechblase, der rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Kurt Beck, scheint jedes Augenmaß verloren zu haben, wenn er das „Nein" der FDP als einen  „Skandal in der deutschen Politik, wie er selten in der Bundesrepublik stattgefunden hat" bezeichnet.  Und Frau Nahles sekundierte in der Sendung „Beckmann", dass die FDP „unbedingt Profil" auf dem Rücken von 11.000 Frauen, „die sich abgerackert haben" schinden wolle. Ver.di-Chef Bsirske fühlte sich zu der Aussage berufen, dass die FDP „Roulette mit den Arbeitnehmern bei Schlecker" spiele, und der NRW-Landeschef der Grünen sprach gar von einem „Angriff auf die Würde dieser Menschen". Geht's denn auch eine Nummer kleiner?

Ein Großteil der Medien sieht in der Standfestigkeit der Liberalen lediglich einen finalen Profilierungsversuch; dabei sollte das Elend um die Sache „Holzmann" doch noch gut in Erinnerung sein.

Wenn der Noch-Vorsitzende und begnadete Unterhaltungskünstler Rösler dieses Treiben als „schäbig" kommentiert, dann trifft das durchaus ins Schwarze.

Und die Journaille beteiligt sich an der Treibjagd auf die waidwunden Freidemokraten, wie sie es schon zuvor an dem selbstzerstörerischen Herrn Wulff praktiziert hat. Sie schießt erneut über das Ziel hinaus; sie informiert nicht mehr nur, sie gibt dem Leser nicht mehr den Freiraum für eigene Überlegungen, sondern der zielgerichtete Kommentar und die Meinungsmache stehen im Vordergrund - sie wird Partei und findet erst zum Normalmaß, wenn das Wild erlegt ist. Die Medien unterbieten sich derzeit in der Voraussage der anstehenden Wahlergebnisse für die Liberalen - einer Partei, deren Flughöhe sich gegenwärtig auf Höhe der Landebahn befindet. Da die Landebahn zugleich Startbahn ist, darf man gespannt sein, ob der Partei bei den bevorstehenden Landtagswahlen das Durchstarten gelingt, jedenfalls solange sich die Turbinenräder noch drehen. Dabei könnte es vorteilhaft sein, wenn im Cockpit ein schneller Pilotenwechsel gelänge. Die im Gegensatz zu ihrem Kapitän Philipp Rösler authentisch wirkenden Copiloten Christian Lindner und Wolfgang Kubicki können bei der irritierten Crew und den zweifelnden Fluggästen den Hoffnungsschimmer aufkommen lassen, dass der Crash noch zu vermeiden ist.

Schaun mer mal, dann sehn mer scho!

loe

 

 

 

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