Dienstag, 18.09.2018

Aufgespießt

„Honorar steigt ums Dreifache“

15.06.2011 23:51

Liebe Kolleginnen und Kollegen – wir haben es geschafft, herzlichen Glückwunsch!


Stellen Sie sich vor, die Zahnärzte erhöhen ihre Preise gegenüber der PKV tatsächlich um 20 %. Diese Zahlen jedenfalls  kolportieren die Privaten Krankenversicherer gegenwärtig in ihrer neuen Angriffswelle. Wohl kalkuliert handelt es sich um ein durchsichtiges Manöver, um bei der Politik kurz vor Toresschluss doch noch die Konkursklausel für Zahnärzte (fälschlicherweise auch Öffnungsklausel genannt) durchzusetzen, um den eigenen Profit zu erhöhen. Dabei scheint es den PKV-Oberen völlig nebensächlich, ob sie den letzten Rest an Seriosität aufs Spiel setzen, wenn sie mit abenteuerlichen Zahlen und phantasievollen Prognosen auf den Plan treten, um Patienten und Politik gleichermaßen zu ängstigen.

Und wieder finden sich willfährige Redakteure, die die Mär nicht nur ungeprüft übernehmen, sondern noch eines draufsetzen, damit die Auflage stimmt. So zu lesen in der „Berliner Zeitung" vom 15.06.2011, die im Zusammenhang mit der GOZ-Novelle dreist behauptet: „Honorar steigt ums Dreifache".

Mit einer solchen Horror-Überschrift und dem Abdruck weiterer PKV-Absonderlichkeiten steht der etablierten Blutpresse im Lande eine ernstzunehmende Konkurrenz ins Haus. Bleibt zu hoffen, dass die „Berliner Zeitung" auch Journalisten beschäftigt. Den PKV-Verband wird es freuen, einen preiswerten Lautsprecher gefunden zu haben. Ihm gebührt mein Glückwunsch zur Taktik und zur aufgegangenen Saat!

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0615/wirtschaft/0019/index.html 

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt auch Lichtblicke; denn es gibt sie noch, die Journalisten mit Hang zum Berufsethos und der Lust an der eigenen Recherche. In derselben Angelegenheit schreibt die „Süddeutsche Zeitung", die in der Regel nicht im Verdacht der Zahnarztnähe steht, am selben Tag umfänglich und aus allen Blickwinkeln. Auch hier mag uns das angelieferte Zahlenmaterial und die daraus gezogenen Schlüsse nicht gefallen, aber die „Süddeutsche" findet es immerhin erwähnenswert, dass die „Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) seit 1989 nicht mehr geändert wurde" und beleuchtet zumindest ansatzweise die wahre Interessenlage der PKV, die sich hinter der aktuellen Angriffswelle versteckt. Das macht Hoffnung!

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